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Studie zum Kulturnutzungsverhalten von Migrantinnen und Migranten in der Stadtgesellschaft Ahlen

Wie gelingt die Integration der stark steigenden und sich immer stärker ausdifferenzierenden Zuwanderergruppen?
Das ist für eine Stadt wie Ahlen mit heute 38 % Menschen mit Migrationshintergrund eine der entscheidenden Zukunftsfragen.

Denn wer soll die sozialen, kulturellen und politischen Potentiale der Stadt erhalten und weiterentwickeln, wenn die Gruppe der Zuwanderer in 2030 bei 50 % liegt und diese dann immer noch so wenig im gesellschaftlichen Leben, in Vereinen und Initiativen, in Parteien und im Kulturbereich vertreten sind.
Schon 2011 hatte Innosozial (damals PariSozial) unter dem Titel „Ahlen 2030 – Teilhabe und Verantwortungsübernahme von Migranten stärken“ dieses Thema aufgerufen.
Allein mit Sprache, Bildung und Arbeit können diese Herausforderungen, die durch die neuen Zuwanderergruppen wie Flüchtlinge und EU Zuwanderer aus Südosteuropa noch steigen, nicht bewältigt werden.

Von enormer Bedeutung ist die soziale und kulturelle Integration der neuen und alten Zuwanderergruppen, womit durch freiwillige Begegnung ein Gefühl von Angenommensein und Heimat vermittelt werden kann. Denn wer sich wertgeschätzt und heimisch fühlt, engagiert sich für die Stadt und das Land, in dem man lebt. Heimat kann symbolisiert und empfunden werden durch Sprache, Sitten, Sinneswahrnehmungen und Werten.

Bisher ist es allerdings kaum gelungen, gerade die großen Herkunftskulturen aus der Türkei, dem russischsprachigen Raum, aus Polen und dem Balkan mit ihren Kulturangeboten und Interessen erkennbar in die Ahlener Kulturpolitik einzubeziehen. Weder Musik, Kunst oder Tradition, Gewohnheiten und Gepflogenheiten finden in den Kulturaktivitäten der Stadt erkennbar Platz. „Warum sollen wir zu Veranstaltungsformaten hingehen, wo unsere Herkunftskultur seit Jahrzehnten in der Regel keine Berücksichtigung gefunden hat“, ist deshalb auch eine oft gehörte Meinung in unserer Untersuchung.

Die Studie hat die Gründe für die bei nahezu allen öffentlichen Kulturveranstaltungen sehr geringe Teilnahme von Menschen mit Migrationshintergrund untersucht. Aus Experteninterviews mit über 30 Vertreter*innen der Ahlener Kulturinstitutionen und aus der Migrationsgesellschaft (Einzelpersonen und Organisationen) sowie einer Straßenbefragung ergibt sich ein umfassendes und differenziertes Bild, warum Menschen mit Migrationshintergrund fernbleiben.
Die vorliegende Studie „Kultur für alle“ fordert zudem mit dem zweiten Halbsatz „Kultur mit allen“ mehr Beteiligung, Mitbestimmung und Ausrichtung des Kulturprogramms für alle Gruppen und deren Interessen.

Eine andere auf alle und mit allen Gruppen der Stadt ausgerichtete Kulturpolitik braucht andere Formate und eine andere Mittelverteilung. Das ist in erster Linie eine Anforderung an die Stadt, die die auf die Mehrheitsgesellschaft orientierten Programme verändern muss.
Aber auch die Moscheefeste und andere monokulturelle Feste von Migran-tengruppen müssen sich interkulturell öffnen. Auch da müssen Wünsche und Interessen bezogen auf Musik, Essen und Trinken der „deutschen“ Gewohnheiten mehr wertgeschätzt werden.
Insgesamt sind ethnische, sprachliche und religiöse Trennlinien und Tradi-tionen von allen mehr zu hinterfragen und müssen bewusst überwunden statt zementiert werden.

Studienleiter: Herr Benedikt Ruhmöller und Projektmitarbeiterin Frau Ergül Aydemir.

 



 
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